Fiktive Abrechnung – bares Geld statt Fiktion

Gerade jetzt zur Winterzeit gilt besondere Vorsicht auf den Straßen. Ein Moment der Unachtsamkeit und schon ist es passiert: Ein Autounfall. Im Falle solch eines Unglückes ist die Schadensregulierung im Verkehrsrecht klar geregelt, der Geschädigte bekommt üblicherweise die Reparaturkosten am eigenen Auto von der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners erstattet. Doch was, wenn der Betroffene das Fahrzeug gar nicht reparieren lassen will? Muss dieser dann auf seine Entschädigung verzichten? Die Antwort auf diese Frage sowie weitere interessante Fakten zum Thema „Fiktive Abrechnung“ kannst Du Folgendem entnehmen.

Was ist eigentlich diese „fiktive Abrechnung“?

Wie oben bereits kurz angeschnitten, greift das Prinzip der fiktiven Abrechnung genau dann, wenn die geschädigte Unfallpartei den entstandenen Schaden am Auto entweder selbst repariert oder eine Instandsetzung schlichtweg nur teilweise oder gar nicht in Anspruch nimmt. Die Versicherung des Unfallverursacher zahlt in solch einem Fall den Schaden des Unfallopfers trotzdem, jedoch gibt es hierbei einige Besonderheiten beziehungsweise Stolperfallen.

Gutachten unerlässlich

Wie die Überschrift schon verrät – Wer sich auf die fiktive Abrechnung stützen möchte, der wird um ein Unfallgutachten nicht herumkommen, die Höhe des Schadens muss also genau beziffert werden. Dabei muss jedoch nicht auf den Gutachter der gegnerischen Haftpflichtversicherung zurückgegriffen werden, sondern der Geschädigte kann diesen frei wählen. Eine Ausnahme der Gutachterpflicht besteht dann, wenn es sich um sehr kleine, so genannte Bagatellschäden handelt. Bagatellschäden richten sich bis zu einer Höhe von circa 1.000 Euro. Hierbei reicht es meist aus, wenn der Kostenvoranschlag einer Werkstatt bei der Versicherung eingereicht wird.

Was ist zu beachten?

Bei der herkömmlichen Schadenregulierung reicht der Fahrer am Ende seine Rechnungen ein – als Geschädigter bei der gegnerischen Haftpflichtversicherung, für Kaskoschäden am eigenen Auto werden die Rechnungen dem persönlichen Kfz-Versicherer ausgehändigt. Auf dieser Grundlage bezahlen die Versicherungen anschließend den anfallenden Schaden an den Autofahrer selbst, oder, im Falle einer Kostenübernahme, an die Werkstatt.

Wird nun jedoch eine fiktive Abrechnung herangezogen, so muss das zuvor angeforderte Gutachten oder ein Kostenvoranschlag der Werkstatt an die Versicherung übermittelt werden. Ebenso kann der Fahrer Kosten für Gutachter, Nutzungsausfall oder, je nach Ausgangsituation, Anwalt geltend machen.

Achtung: Bei der fiktiven Abrechnung werden die veranschlagten Instandsetzungskosten abzüglich der Mehrwertsteuer ausgezahlt, da diese auf Grund der fehlenden Reparaturleistungen der Werkstatt eben auch nicht fällig wird. Während hierbei nur die Nettobeträge gezahlt werden, übernimmt der Versicherer die Summen für Gutachter und Co. vollständig. In Abzug werden regelmäßig auch so genannte „Verbringungskosten“ gebracht. Das sind Kosten, die der Werkstatt im Zuge der Reparatur entstehen. Hierbei werden Fahrzeugteile von der Werkstatt in einen Lackierbetrieb verbracht und später wieder abgeholt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen materiellen Schaden am Fahrzeug selbst. Wird also fiktiv abgerechnet, fallen diese Kosten schlicht nicht an.

Stolperfalle Totalschaden

Eine fiktive Abrechnung in Anspruch zu nehmen ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn nach dem Unfallgeschehen kein Totalschaden festgestellt wird. Das ist immer dann der Fall, sobald die Reparaturkosten 130 Prozent des Wiederbeschaffungswertes übersteigen. Letzter Begriff beschreibt die Summe, welche vom Geschädigten erbracht werden müsste, um ein Fahrzeug zu erwerben, das dem Zustand des Autos vor dem Eintritt des Schadens entspricht. Wird also lediglich ein Gutachten eingereicht, welches diesen Wert um die oben genannte Grenze übertrifft, verweigert die Versicherung die Zahlung. In solch einer Situation ist der Versicherer nämlich nur dazu verpflichtet, den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes des verunfallten Fahrzeuges auszuzahlen.

Lohnt sich eine fiktive Abrechnung?

Nicht immer ist dieses Abrechnungsmodell auch lohnenswert. Nicht selten ist die fiktive Abrechnung sogar mit Streitigkeiten vor Gericht mit der gegnerischen Versicherung verbunden, deshalb sollten sich Betroffene im Vorfeld gut überlegen, ob dieses Vorgehen Sinn macht und eines der folgenden Ereignisse zutrifft:

  • Du möchtest das Auto ohnehin nicht mehr reparieren lassen, da es sich um ein älteres Fahrzeug handelt und der Schaden lediglich die Optik beeinflusst.
  • Du hast vor deinen fahrbaren Untersatz instand setzen zu lassen, jedoch benötigst Du das Geld erstmal für andere Dinge.
  • Du willst und kannst das Auto kostengünstig privat reparieren.

Bildquelle: Paolese / Adobe Stock

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