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Wenn der Versicherer "sanieren" will

Wir sehen uns als Ansprechpartner und Interessenvertreter unserer Kunden. Hin und wieder müssen wir dabei auch unseren Partnern etwas den Schubs in die richtige Richtung geben. Versicherer schauen sich Verträge "gut" an und in bestimmten Fällen schlagen sie eine Sanierung des Vertrags vor die bis zur Kündigung führen kann. Unsere Antwort auf einen aktuellen Fall.

Kündigung wegen zu vieler Schäden

Einer unserer Kunden hatte zum 01.01.2017 eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Er hatte Pech und leider vier Rechtsschutzfälle - auf den ersten Blick. Nun hat uns der Rechtsschutzversicherer informiert, dass er den Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen möchte. Das würde bedeuten, dass unser Kunde innerhalb von wenigen Wochen seine Rechtsschutzversicherung verlieren würde und sich extrem schwer täte überhaupt wieder einen Versicherer zu finden.

Faktencheck

Um die Hintergründe zu verstehen, sollte man vorab die Fakten genau checken. Der Versicherer hat folgende "Fakten unterstellt". Wann hat der Vertrag begonnen, wie viel hat der Kunde bisher netto bezahlt, wie viele Schäden gab es bisher, wie hoch waren die Zahlungen schon und Achtung jetzt kommt´s: wie hoch sind die vorhanden "Reserven". Der Auszug aus dem folgenden Schreiben zeigt es recht deutlich.

Wie deutlich zu sehen ist, wird eine Reserve in Höhe von 6.425,00 EUR in den Raum gestellt. Wir sagen ganz bewusst "in den Raum gestellt" da Reserven lediglich Schätzungen sind und auf Erwartungen beruhen aber oftmals wenig mit Fakten zu tun haben. Das Geld könnte in der genannten Höhe fällig werden, vielleicht auch weniger, vielleicht auch mehr, vielleicht aber auch gar nicht. Und wie ebenfalls deutlich zu sehen ist, bezieht sich die Reserve auf drei offene Schadensfälle.

Faktencheck - genau hinschauen!

Schauen wir uns die Schadenfälle an. Das waren insgesamt vier. Einen kann man getrost weglassen. Hier hatten wir im Auftrag des Kunden eine Anfrage gestartet ob ein bestimmter Fall versichert ist. Die Anfrage wurde sofort als "neuer Fall" interpretiert.

Ein Fall stammt aus August 2017 und ist ca. ein Jahr alt. Bis heute musste hier der Versicherer keine Entschädigung leisten. Der Vorgang ist zwar noch offen, aber ob hier überhaupt noch eine Zahlung fällig wird steht in den Sternen. Bleiben aktuell noch zwei ernst zu nehmende Fälle übrig. Quasi: aus vier mach zwei.

Das Spiel mit den Zahlen - Schadenquote

Der Versicherer "unterstellt" auf Basis der Reserven eine Schadenquote von 625,49 Prozent. Aus Sicht des Versicherers handelt es sich also um einen Kunden der richtig viel Geld kostet. Mehr als sechsmal so viel als er an dem Kunden in knapp 1,5 Jahren verdient hat. Wäre sie tatsächlich so hoch, würden auch wir sagen, dass das so nicht geht. Ist sie aber nicht.

Fassen wir das mal zusammen: Bisher hat unser Kunde 1.192,67 EUR bezahlt, der Rechtsschutzversicherer musste bisher tatsächlich 1.035,00 EUR leisten. Das macht eine Schadenquote von rund 86 Prozent. Und das ist eben gerade das "Spiel der Zahlen". Auf Basis von Vermutungen, Schätzungen oder wie man es auch immer nennen will, werden Schadenquoten berechnet. Mit realen Fakten hat das aber herzlich wenig zu tun.

Unsere Antwort an den Versicherer

Wir wollen unseren Kunden helfen und ihnen guten Versicherungsschutz geben. Und natürlich wollen wir Entscheidungen auf Basis realer und greifbarer Fakten.

Es hat gewirkt

Die o.g. E-Mail haben wir am Samstag, den 28.07.2018 an den Versicherer versendet. Bereits wenige Tage später am 01.08.2018 erhielten wir eine knappe Antwort. Von der Kündigung wird abgesehen, es bleibt alles so wie es ist. Fakten überzeugen.

Grundsätzlich Verständnis für Vertragssanierungen

Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht: wir haben generell Verständnis für solche Maßnahmen. Es gibt eben auch Kunden die durch eine wirklich überdurchschnittlich hohe Belastung an Schäden auffallen und das meistens nicht nur in einem Bereich. Man kann mal Pech haben, das kann man auch begründen. Aber hin und wieder nutzen Menschen Versicherungen auch, wir sagen es mal Plump "nach Strich und Faden", aus.

Hierbei sollte man immer wissen, dass eine Gemeinschaft an Versicherten die finanziellen Risiken stemmt. Beiträge sind so kalkuliert, dass sie möglichst für eine Vielzahl an Menschen bezahlbar sind. Stechen Einzelne besonders oft mit Schadenfällen hervor muss der Versicherer Maßnahmen ergreifen um das Kollektiv, also die Versichertengemeinschaft, zu schützen. Aber dann bitte auch auf Basis von soliden Fakten auf die man sich verlassen kann.

Wir haben uns deshalb auch gegenüber dem Versicherer bereiterklärt mit unserem Kunden zu sprechen und ihn darauf hinzuweisen. Auch haben wir angeboten, wenn sich die Rahmenbedingungen wirklich noch verschlechtern sollten, über eine höhere Selbstbeteiligung oder einen Zuschlag zu sprechen. Aber hoffen wir - auch für unseren Kunden - das er keine weiteren Belastungen und rechtlichen Auseinandersetzungen mehr hat. :-)

Ein Ansprechpartner ist daher wichtig

Dieses Beispiel zeigt wieder, dass es überhaupt keinen Sinn macht, seine Versicherungen auf mehrere Ansprechpartner aufzuteilen. Niemand hat den Gesamtüberblick. Wir konnten hier u.A. auch damit argumentieren, dass es sich um keinen Kunden mit nur einem Vertrag handelt, sondern das eine ganze Kundenverbindung dahintersteht. Dieser Kunde gewinnt damit auch aus Sicht des Versicherers eine viel höhere Wertigkeit.

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